Der Trachtenverein D'Oberlandler Neukirchen kann auf eine
wechselvolle Geschichte seit seiner Gründung zurückblicken.

Die Protokollbücher des Vereins berichten von vielen Ereignissen.
Die wichtigsten, interessantesten und amüsantesten Auszüge sind hier kurz zusammengefasst.

1905

Der erste Eintrag im Protokollbuch beschreibt die Gegebenheiten die zur Gründung führten.

Die schönen Sonntage des 1905 waren bereits vor­über. Die harten Arbeiten auf Feld und Wie­sen, das sogenannte „Heigen“ war teils bethätigt und jedes denkende Menschen-Herz mochte sich freuen, über reichlich gefüllte Scheunen und ausrufen: „nach gethaner Arbeit ist gut ruhn;“ Und so war es an einem schönen Augusttage, Gottes Friede ruhte über der Natur.

Es war der Sonntag, 27. August 1905 nachmittags. Mehrere Burschen der Umgebung saßen vergnügt beim Gastwirt „Fuchs“ in Reichersdorf; und ließen sich mitunter, neben pfauchendem Pfeifen Tabak, einige sogenannte Flickhalbe köstlichen Gambriums der Waizinger-Brauerei A.G. Miesbach, munden.

Unter verschiedenen Witzen, Neuheiten etc. die soeben plaudert wurden kam man auch über unsere schöne alte Gebirgs-Tracht, Sitten und Gebräuche zu sprechen, mit der jetzt die schroffe Neuzeit, bedauerlicher Weise, immer mehr und mehr aufräume. Da waren es einige tapfere Burschen, noch vom alten Schrot und Korn, die mit aller Energie und auch mit Recht für unsere schöne alte Tracht eintraten.

 

1908

Sämtliche Mitglieder haben sich, laut Beschluß der Vorstandschaft, mit einem  festen "boarisch sama" zu begrüßen.

 

1911

Standartenweihe

Bild vergrößern

1920

Der Trachtenverein gründet eine Theatergruppe.
Weitere Informationen hierzu unter
www.theater-neukirchen.de

 

1921

Im Juli fand das große Fest der Fahnenweihe statt.
Als Einführung gab es am Samstag, den 9. Juli, einen musikalischen Ehrenabend im Neukirchner Saal, unter Mitwirkung der Blaskapelle Obermüller. Lehrer Drickl aus Holzolling begleitete einen Chor und Georg Steininger erfreute die Anwesenden durch einen lustigen Vortrag.
Am Sonntag, den 10. Juli, erschienen etwa 40 Vereine aus den unterschiedlichsten Gauverbänden, um der Weihe der neuen Fahne beizuwohnen.
Der Gebirgstrachten-Erhaltungsverein Bayrischzell übernahm die Patenschaft.

Die Fahne

Bild vergrößern

 1922

 Am 22. Mai übernimmt der Trachtenverein Neukirchen die Patenschaft bei den "Oberlandler Bad Aibling".

 Bild vergrößern

 1936

Wie alle anderen, bekam auch der Trachtenverein die Krisenjahre der Weimarer Republik zu spüren.
1936 wurde der Einfluss durch die NSDAP immer größer. NS-Organisationen wie die „N.S.-Kulturgemeinde“ oder „Kraft durch Freude“ versuchten die Trachtenvereine einzuverleiben. Der Frage, welcher Gruppierung der Verein nun nahe stehen solle, trat man mit dem Grundsatz entgegen „Jedem das Seine“. Man war sich einig, dass diese Sache in Trachtenkreisen noch viel Staub aufwirbeln würde, da „die von der deutschen Arbeitsfront betreute Unterorganisation ‚K.d.F.’ glaubt in ihr Programm (Gestaltung und Freizeit aller schaffenden Volksgenossen) auch die Pflege von Tracht und Volkstum aufnehmen zu müssen. In der Sitte, Tracht und Volkstum völlig unbewanderte Leute bilden sich ein, an den Trachtenvereinen (ohne deren jahrzehntelange zielbewusste Arbeit wohl heute kein Mensch mehr von Tracht und Volkstum reden würde) herumdoktern zu müssen; auf die Auflösung dieser als veraltet geltenden Vereine hinwirken zu müssen, um dieselben als ‚K.d.f. Trachtengruppen’ für ihre Zwecke dienlich zu machen. Die alten und echten Trachtler nehmen in dieser Sache eine ganz abwartende und biertrinkende Stellung ein“, so ein Zeitgenosse..

 

 1946

Am 6. Januar hatte der Trachtenverein seine Aktivitäten wieder aufgenommen.

 

 1955

Am 9. und 10. Juli 1955 konnte der Verein sein 50-jähriges Stiftungsfest mit Fahnenweihe begehen. Ein Festzelt auf der Huberwiese und der Saal des Gasthauses Neukirchen sollten die etwa 1.000 Festgäste beherbergen.
Den Festauftakt am 9. Juli bildeten das Totengedenken am Kriegerdenkmal und der Heimatabend im Festzelt.
Nach dem Fes
tgottesdienst im Pfarrgarten mit Weihe der renovierten Fahne formierten sich die Neukirchner Trachtler mit den 17 Gastvereinen zu einem stattlichen Festzug.

 Bild vergrößern

 1968

Am 1. Mai errichtete der Trachtenverein nach 40-jähr. Pause wieder einen Maibaum.

 

1980

Sein 75-jähriges Gründungsjubiläum mit Fahnenweihe konnte der Trachtenverein im August 1980 begehen.
Am 16. August, dem 3. Tag des Festwochenendes, gedachten die Mitglieder des Trachtenvereins ihrer Toten am Kriegerdenkmal. Anschließend besuchten etwa 700 Gäste den Heimatabend im Festzelt. Am Sonntagvormittag bewegte sich ein stattlicher Kirchenzug, bestehend aus 29 Vereinen, zum Feldgottesdienst mit Fahnenweihe, westlich des Pfarrgartens. Der anschließend geplante Festzug musste wegen des plötzlich einsetzenden starken Regens auf Nachmittag verlegt werden.

Bild vergrößern

2000

Eine besondere Attraktion war die Bettelhochzeit, die von der Plattlergruppe am 4. März ausgerichtet wurde. Etwa 180 geladene Gäste, fast ausschließlich Mitglieder des Neukirchner Trachtenvereins, konnten eine riesen Faschingsgaudi am Faschingssamstag genießen.

Bild vergrößern

2005

Der Trachtenverein feiert sein 100-jähr. Gründungsfest vom  21.-25. Juli, in einem großen Festzelt, mit Schnoizer- und Musikantentreffen, Festabend, Festtag und Kesselfleischessen.
 

 

© Josef Hatzl, Bruck (Text und Bilder)  

 

 D' Oberlandler Neukirchen
gegründet 1905

Die Geschichte
des Vereins,

von der Gründung bis zur Gegenwart,

illustriert mit zahlreichen Bildern.